B90 / DIE GRÜNEN OV Homberg

Ein neues Quartier entsteht: Gebäude in Homberger Untergasse sollen belebt werden – Schule will Lernort

30.09.25 – von HNA - Chantal Müller –

In Homberg entsteht ein Mikroquartier: Die Gebäude in der Untergasse sollen belebt werden. Die Erich-Kästner-Schule ist auch involviert.

Die Homberger Untergasse soll wieder mit Leben gefüllt werden. Ein Baustein dafür ist ein neues Mikroquartier, das rund um den Zaubergarten entstehen soll. Auf knapp 347 Quadratmetern Fläche sollen in der Untergasse 13 und 15 sowie im Haus am Rosenthal 4 nicht nur wieder Menschen wohnen können, sondern auch Schüler den Ort beleben. Eingebunden ins Projekt sind Erich-Kästner-Schule, Architekten und der Wandelrat– ein sechsköpfiges Expertengremium, das sich mit Denkmalpflege, demografischem Wandel und Fragen zum gesellschaftlichen Wandel auseinandersetzt.

 

„Wir wollen und müssen die Gebäude in der Untergasse vor dem Verfall schützen“, sagt Stadtplaner Markus Staedt. Da sich die drei jahrhundertealten Fachwerkhäuser in der Untergasse aber einzeln nur schwer entwickeln ließen, will die Stadt mit einem Mikroquartier aus der Not eine Tugend machen: Alle drei Gebäude sind durch einen kleinen Innenhof miteinander verbunden. „Dadurch ergibt sich Potenzial für ein kleines Quartier“, sagt Staedt. So werde nicht nur eine Fläche aufgewertet, sondern sie für potenzielle Investoren wieder wirtschaftlich.

Die Verwaltung konzentriert sich unter anderem darauf, in der Untergasse sogenannte dritte Orte zu schaffen, um die Altstadt wiederzubeleben. Mit dem Kochs und dem Machwerk sind in unmittelbarer Nachbarschaft bereits Treffpunkte entstanden, die zur Geselligkeit, aber auch zum Lernen einladen.

Zaubergarten Homberg: Dort soll ein Café von Schülern entwickelt werden

Das soll auch im ehemaligen Blumengeschäft Zaubergarten ermöglicht werden. Mit der Erich-Kästner-Schule (EKS) soll dort ein Café von Schülern entwickelt werden, in dem Jugendliche nicht nur backen. Viel mehr gehe es darum, Einkäufe und Waren zu kalkulieren – aber viel lebensnaher als es im Unterricht in der Schule möglich wäre. „Jugendliche brauchen Orte in der Altstadt. Das hat sich in unseren Workshops herausgestellt“, sagt Staedt. Freizeit und Lernorte müssten stärker miteinander verknüpft werden, sagt Klimaschutzmanagerin Christiane Voith. „Lernen verändert sich für Jugendliche.“ Es brauche mehr Orte, an denen sie sich in einer Freistunde aufhalten, an denen sie auf den Bus warten oder sich mit einer Lerngruppe fernab vom Wohnort treffen könnten.

Das hat auch die EKS bemerkt und deshalb Interesse daran, ihren Unterricht stärker an der Lebensrealität der Schüler auszurichten. Ziel ist es, den Zaubergarten als ein von Schülern betriebenes Café zu entwickeln. Es soll die Jugendlichen während der Schulzeit praxisnah an die Arbeitswelt heranführen und zugleich den Leerstand aktivieren.

Investoren gesucht

Die Planungen für das Mikroquartier stehen zwar noch am Anfang. Investoren, die Interesse an einer Entwicklung der Flächen haben, können sich aber bereits bei der Stadt melden: Markus Staedt, Fachbereichsleiter Wirtschaftsförderung, Stadtentwicklung und Tourismus, Tel. 0 56 81/994 290, E-Mail: markus-staedt@homberg-efze.de

 

Das Gebäude, das 1919 erbaut wurde, muss dafür saniert werden. Nach einer Instandsetzung gehöre aber auch die Sanierung zum Konzept der Schule, erklärt Staedt. Da im Zaubergarten nur ein begrenzter Platz zur Verfügung steht, könnte in Zukunft auch die Erdgeschossfläche der angrenzenden Untergasse 13 mit dem Zaubergarten verbunden werden, berichtet Voith. Beide Häuser bildeten auch früher einmal eine Einheit.

In den Obergeschossen von Untergasse 13 und Rosenthal 4 will die Stadt „Wohnen mit mehr Komfort“ realisieren. Dazu könnten nicht nur Balkone angebaut werden, sondern die Wohnungen auch barrierefrei erschlossen werden. Die Bezirkskonservatorin des Landesamts für Denkmalpflege in Hessen, Elke Hamacher, habe bei einer Begehung der Immobilien signalisiert, dass das möglich sei, berichtet Voith.

Obwohl die Planungen schon sehr konkret klingen, stünden sie noch am Anfang, betonen Staedt und Voith. „Wir stehen noch vor den Detaillösungen.“ Ein Architekt hat eine Voruntersuchung für die Gebäude gemacht, Statiker und Vermesser sind bereits im Boot. Auch die Schadenserfassung laufe, um herauszufinden, „wo wir schnell instandsetzen müssen, damit die Gebäude keinen weiteren Schaden nehmen“, sagt Staedt. Für Investoren soll ein Kostenrahmen erstellt werden. Im Herbst soll die Stadtverordnetenversammlung über Ideen abstimmen. Dann könnte es bereits im nächsten Jahr mit den Planungen für das Café losgehen, um das vorgegebene Ziel zu erreichen: Mehr Kinder in die Stadt zu holen.

 

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